Theater Haldenstein Medienbericht

«Die Versammlung» – ein Dorfkrimi

Artikel der Südostschweiz am Wochenende vom Samstag, 24. Oktober 2020

Das freie Theater Haldenstein lädt zur «Versammlung». Im Stück aus der Schreibstube von Annina Giovanoli entwickelt sich das unter ihrer Regie inszenierte Aufeinandertreffen der Dorfbewohner allerdings zum ausgewachsenen Kriminalfall.
Die eiligst einberufene Versammlung in der Dorfturnhalle Haldenstein wird zum Fall für die Kripo.
Fotos: H. Wyss

Das Schaffen der freien Theatertruppe Haldenstein ist an keine Bühne gebunden. Man ist eine offene Gruppe und mag Inszenierungen an ungewöhnlichen Orten und liebt die Auseinandersetzung mit einzigartigen und natürlichen Spiel- und Schauplätzen. Unter der Leitung der freischaffenden Theaterfrau Annina Giovanoli, welche die «kleinen und grossen Theatermanöver » links des Rheins seit Jahren äusserst erfolgreich lenkt, hat das Theater Haldenstein in diesem speziellen Jahr eine spezielle Herausforderung angenommen. Im Rahmen des Projekts «7023 über dr Brugg», welches bis im Sommer 2021 im Rhythmus der Jahreszeiten mehrere Darbietungen beinhaltet, hat Annina Giovanoli einen «grotesken Bündner Turnhallen- Krimi» geschrieben, in welchen sie unzählige Momente aus dem Dorfleben verpackt hat. Umgesetzt nach den Richtlinien des Schweizerischen Bühnen-Künstlerverbandes gelangte «Die Versammlung» am Dienstag zur Uraufführung.

Dorfleben verpackt

Während das Publikum auf der Bühne Platz nimmt, treffen in der Turnhalle zwölf Charakter-Darstellerinnen und -Darsteller in starken Rollen aufeinander. Die 13-jährige Selma ist spurlos verschwunden. Trotz Corona und eines Wasserrohrbruchs wird in der Dorfturnhalle kurzfristig eine Versammlung einberufen. Doch, wo bleibt Peter Calonder, Gemeindepräsident und Vater der Vermissten? «Derbi stoht sin neue R8 doch br Kanzlei uf am Parkplatz», stellt Simon Guler (Reto Giovanoli), Gemeindevizepräsident und Grossbauer in Erwartung der Niederkunft seiner Kuh Hortensia, fest. Und wer hat Lasse Hahn, Selmas Klassenlehrer, gesehen? Weshalb lehnt sich das Dorf derart gegen den Deutschen auf? Auch ist nicht ganz klar, wer an der Versammlung die Federführung hat: Guler oder eher Dunia Zeller (Iris Vogt Klaas), Gemeinderätin Bildung und Kultur, welche von ihrem nicht mehr ganz jungen Künstlergatten Renato (Heinz Deubelbeiss) getrennt lebt? Was versteckt der umtriebige Abwart Rino Waser (Peter Hunziker) im Luftschutzkeller? Hätte der Herbst-Yogakurs von Frau Pfarrer Krug (Marlene Feurer) nicht warten können? Was haben die Lehrerin Romana Cajochen (Lea Giovanoli) und Eva Cajochen (Andrea Schmid), die Frau des Gemeindepräsidenten, miteinander zu schaffen? Welche Rolle spielen die Schulleiterin Madleina Fliri (Manuela Liver) und die Kirchgemeindepräsidentin Alma Spadin (Monika Curschellas)?

Unter den Tisch gewischt wird links des Rheins so einiges.
Die Stimmung ist gereizt. Als sich herausstellt, dass der Sohn der alleinerziehenden dreifachen Mutter Zita Derungs (Karin Bergamin) das Mädchen gefunden hat und dieses jetzt im Kantonsspital liegt, wird ihm sofort Mitwirkung an dessen Verschwinden unterstellt. Dann erinnert sich die Lehrerin, Selma ein Handy überlassen zu haben. Als sie die Nummer wählt, klingelt es unter der Bühne. Gefunden wird ein Mann, mausetot. Wird es Badin Tomaschett (Gion Hitz), dem Bündner Kripo-Chef, und Kommissarin Leticia Balmetti (Anita Mark) gelingen, Licht ins Dunkel zu bringen? Annina Giovanoli hat erneut ein aufrüttelndes Stück geschrieben. Während der «Versammlung» brechen Emotionen auf, tief verborgene Traumas treten an die Oberfläche, Klischees, Neid, Missgunst, Manipulation und Korruption sind innerhalb der Dorfgemeinschaft an der Tagesordnung. Im Verlaufe des Abends werden aber auch verschlossene Türen aufgestossen. Dabei kommen Humor und Situationskomik keineswegs zu kurz. Mit viel Fingerspitzengefühl gelingt es der Regisseurin und ihrer spielfreudigen Truppe der Handlung den passenden Rahmen zu geben. Orlando Vasella rückt die Geschehnisse, an welchen das Publikum von Anfang bis Ende teilhat, ins rechte Scheinwerferlicht.

Theater Haldenstein
Anita Mark
Alt Strass 9
7203 Trimmis

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